"Finde ich keinen Weg, so bahne ich mir einen."

Der umstrittene 'Kolonialheld' Hermann von Wissmann

Thomas Morlang

Berlin, Bochum, Bottrop, Cuxhaven, Delmenhorst, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Herford, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Köln, Ludwigsburg, Lübeck, München, Nürnberg, Oberhausen, Solingen, Stuttgart: Lang ist die Liste der deutschen Städte, die mit einem Straßenamen den (Kolonial-)Offizier und Afrikareisenden Hermann von Wissmann ehren. Berlin kann sogar gleich mit zwei Wissmannstraßen aufwarten: eine im Bezirk Neukölln, Ortsteil Neukölln, und eine im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Ortsteil Grunewald. Während in den übrigen Städten die Namensgebung erst in den 1920er und 1930er Jahren erfolgte, hatten die Straßen in der Hauptstadt ihren Namen schon zu Lebzeiten Wissmanns erhalten. Den Anfang machte das damals noch nicht zu Berlin gehörende Städtchen Neukölln. Am 27. November 1890 tauften die Stadtväter des kleinen Ortes feierlich eine neue Straße auf den Namen Wissmann. Das ebenfalls noch selbstständige Grunewald folgte im Jahr 1898. 1921 kamen beide Städte im Zuge einer Gebietsreform zu 'Groß-Berlin'. Obwohl der Magistrat in den folgenden Jahren immer wieder aufgefordert wurde, Mehrfachbenennungen von Straßen aus der Welt zu schaffen, behielten die Wissmannstraßen bis heute ihren Namen.

Glaubt man den zahlreichen Publikationen zur Geschichte der Berliner Straßennamen, erfolgten die Benennungen in erster Linie wegen Wissmanns Verdienste um die Erforschung des afrikanischen Kontinents. So heißt es beispielsweise im kommentierten Verzeichnis der Berliner Straßennamen für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf: "Wissmann schrieb zahlreiche Reiseberichte und zählt zu den wagemutigsten und erfolgreichsten Afrikaforschern."1 Und im Lexikon der Berliner Straßennamen findet sich neben seinem Geburts- und Sterbedatum nur noch der Zusatz 'Forschungsreisender'.2 Doch dies ist irreführend. Geehrt wurde Hermann von Wissmann damals nicht für seine Forschungsreisen, sondern einzig und allein für die unter seiner Leitung erfolgte blutige Niederschlagung des von den Deutschen aus propagandistischen Gründen so genannten 'Araberaufstands' in Deutsch-Ostafrika 1889/90.

Hermann Wilhelm Leopold Ludwig Wissmann, so sein vollständiger Name, wurde am 4. September 1853 in Frankfurt an der Oder geboren. 1870 trat er in die Armee ein, 1874 erhielt er seine Beförderung zum Leutnant. Die nächsten Jahre verbrachte Wissmann im Mecklenburgischen Füsilierregiment Nr. 90 in Rostock, wo er vor allem durch zahlreiche Streiche auffiel, die ihm die Spitznamen 'toller Leutnant' oder 'toller Wissmann' einbrachten. Für ein Pistolenduell, in dem Wissmann seinen Gegner verletzte, musste er sogar eine viermonatige Haftstrafe verbüßen. Zum Wendepunkt in Wissmanns Leben wurde ein zufälliges Treffen mit dem bekannten Afrikaforscher Paul Pogge im Jahr 1879, der in dem jungen Mann die Begeisterung für Afrika weckte. Wissmann ließ sich für längere Zeit beurlauben, um an der nächsten Forschungsreise Pogges teilnehmen zu können.

Mitte 1881 brach die Expedition von Angola aus ins Landesinnere auf. Im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft sollte sie bisher noch unbekannte Gebiete in Zentralafrika erforschen. Da Pogge unterwegs schwer erkrankt und umkehren musste, setzte Wissmann die Reise fort und erreichte im November 1882 bei Saadani die afrikanische Ostküste. So konnte er den Ruhm für die erste Durchquerung Afrikas von West nach Ost für sich allein in Anspruch nehmen. Damit war er innerhalb kurzer Zeit zu einer begehrten Berühmtheit geworden. 1883 bis 1885 erforschte Wissmann im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. die Kasai-Region in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Bei dieser Expedition folgte er erstmals seinem Wahlspruch "Finde ich keinen Weg, so bahne ich mir einen". Eigenhändig erschoss Wissmann mehrere Afrikaner, die ihn am Weitermarsch hindern wollten. Ein Jahr später war er erneut für Leopold II. in Afrika unterwegs. Diese Expedition ist allerdings nach Meinung des Kulturanthropologen Johannes Fabian kaum noch als wissenschaftliche Reise zu bezeichnen, denn Wissmanns Hauptaufgabe bestand in der "Ordnung der politischen Verhältnisse" in der Kasai-Region.3 Gesundheitliche Probleme zwangen Wissmann aber schon 1887 zur Rückkehr nach Europa.

Mittlerweile war auch Deutschland in den Kreis der europäischen Kolonialmächte eingetreten. 1884 wurden Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun unter 'deutschen Schutz' gestellt, 1885 auch noch Deutsch-Ostafrika. Doch die deutsche Herrschaft bestand vorerst nur auf dem Papier. Im September 1888 zwang ein Aufstand der Küstenbevölkerung das Deutsche Reich zur Aufgabe fast aller in Ostafrika erworbenen Gebiete. Nur die Hafenstädte Bagamoyo und Dar es Salaam konnten gehalten werden. Reichskanzler Otto von Bismarck sah sich zum Eingreifen gezwungen, wollte er nicht den vollständigen Verlust der Kolonie riskieren. Nachdem der Einsatz eines deutschen Kreuzergeschwaders den Widerstand wider Erwarten nicht beenden konnte 4, entschloss sich Bismarck zur Entsendung einer Landstreitmacht. Um im Reichstag die nötige Mehrheit für die Finanzierung einer Kolonialtruppe zu erlangen, stellte er die geplante Intervention in Ostafrika als deutschen Beitrag zum internationalen Kampf gegen den Sklavenhandel dar. Nach heftigen Diskussionen stimmten schließlich die meisten Abgeordneten dem Antrag auf Bewilligung von zwei Millionen Reichsmark für den Aufbau und den Unterhalt einer aus deutschen Offizieren und Unteroffizieren sowie aus afrikanischen Söldnern, den so genannten Askari, zu bildenden Streitmacht zu. Zum Befehlshaber der ersten deutschen Kolonialtruppe bestimmte Bismarck den Afrika erfahrenenHermann von Wissmann.

In einer schneidigen Rede vor dem Reichstag erläuterte der neue Reichskommissar am 26. Januar 1889 den Anwesenden sein Aktionsprogramm. Mit Güte und Nachgiebigkeit seien die Schwierigkeiten niemals zu beseitigen, Verhandlungen kämen für ihn daher nicht in Frage, nur mit Gewalt könne "den Aufständischen eine gründliche Lehre erteilt und unser in Ostafrika schwer geschädigtes Ansehen wiederhergestellt" werden.5 So war denn auch Wissmanns erste Amtshandlung, den von Konteradmiral Karl August Deinhard, dem Kommandeur des Kreuzergeschwaders, mit den Aufständischen geschlossenen Waffenstillstand aufzukündigen. Vollste Unterstützung fand er dabei beim Reichskanzler. Angeblich war das Vertrauen Bismarcks in den jungen Leutnant damals so groß gewesen, dass er ihm für sein Vorgehen völlig freie Hand ließ: "Ich bin nicht der kaiserliche Hofkriegsrat in Wien, und Sie sind Tausende von Meilen entfernt", soll er Wissmann mit auf den Weg gegeben haben, "stehen sie auf eigenen Füßen. Ich gebe Ihnen immer nur wieder den Auftrag: Siegen Sie!"6 Tatsächlich aber erhielt Wissmann genaue Instruktionen für sein Vorgehen in Ostafrika. Danach hatte der Reichskommissar erst einmal in der Umgebung von Bagamoyo und Dar es Salaam geordnete Verhältnisse schaffen, bevor er die ebenfalls im Norden des Landes liegenden Hafenstädte Tanga und Pangani angreifen durfte. Waren diese Ziele erreicht, sollte Wissmann Vorschläge für die Eroberung des Südens einreichen. Von Feldzügen ins Landesinnere, die über einen Tagesmarsch hinausgingen, bat Bismarck abzusehen.7 Doch Wissmann hielt sich nicht an diese Bitte. Im September 1889 unternahm er sehr zum Unwillen des Reichskanzlers einen mehrmonatigen Feldzug ins Hinterland von Bagamoyo. "Märsche ins Innere kann ich nicht befürworten", schrieb Bismarck verärgert an den Rand des von Wissmann eingereichten Berichts.8

Zu diesem Zeitpunkt hatte Wissmann den Aufständischen unter ihrem Führer Bushiri bin Salim al-Harthi bereits mehrere Niederlagen zufügen können. Dabei wandte Wissmann stets die gleiche Taktik an. Zuerst überschüttete seine Artillerie den Gegner mit einem kurzen, aber heftigen Feuer, dann folgte ein "energisch durchgeführter Bajonettangriff". Manchmal entwickelten sich derartige Gefechte zu regelrechten Massakern. So gerieten bei der Eroberung von Pangani am 8. Juli 1889 rund 200 Aufständische in das Schnellfeuer eines Maschinengewehrs. Nach nur zwei Minuten bedeckten über 30 Tote und 50 Verwundete den Boden. Eroberte Ortschaften ließ Wissmann plündern, wobei sich mehr als einmal afrikanische Söldner mit deutschen Seeleuten um die Beute stritten. Danach wurden die Dörfer und Städte in Brand gesteckt, die umliegenden Felder verwüstet. Damit gebührt Wissmann der zweifelhafte Ruhm, als erster in einem von Deutschen geführten Kolonialkrieg die Taktik der 'Verbrannten Erde' angewandt zu haben. Obwohl erfolgreich, fand die Kriegführung Wissmanns, die selbst von Kolonialoffizieren als "äußerst grausam"9 bezeichnet wurde, nicht nur Zustimmung in Deutschland. In einer Rede vor dem Reichstag beklagte der linksliberale Abgeordnete Eugen Richter am 30. Oktober 1889 die Zustände in Ostafrika: "Wir lasen neulich, dass Herr Wissmann schon 700 Araber und Aufständische, wie sie genannt werden, hätte erschießen lassen, wir hören, dass bald dieses, bald jenes Dorf in Flammen aufgeht. Seine Truppen ziehen sengend und brennend umher, und die Aufständischen tun dergleichen, und das ganze nennt man in der Sprache der vorjährigen Thronrede 'Kultur und Gesittung nach Afrika tragen!' " 10

Mit den Anführern der Widerstandsbewegung, von den Kolonialherren häufig als 'Rädelsführer' oder 'Sklavenhändler' bezeichnet, machte Wissmann zumeist kurzen Prozess. Wer sich der Kolonialmacht zu widersetzen wagte, musste damit rechnen, nach seiner Gefangennahme vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt zu werden. "Ohne Ausnahme wurden diese Halunken", so der Kolonialoffizier Georg Maercker, "von Wissmann zum Tode durch Erschießen oder durch den Strang verurteilt und nicht allzu gering ist die Zahl derer, die mit ihrem Körper in den Küstenorten den Galgen oder eine Palme geziert haben." 11 Um seinem Vorgehen einen Hauch von Rechtmäßigkeit zu verleihen, hatte Wissmann schon gleich nach seiner Ankunft die ganze Küste unter Kriegsrecht gestellt. Dabei erfolgten Verurteilungen rein willkürlich. Auf Schonung hoffen konnte derjenige, der für die Kolonialherren in Zukunft eventuell noch von Nutzen war. So begnadigte Wissmann einen Sohn Bwana Heris, dem wichtigsten Aufstandsführer im Süden des Landes, obwohl dieser den Tod eines britischen Missionars und 15 seiner Träger zu verantworten hatte. Bushiri dagegen ließ Wissmann hängen, weil er von den Deutschen nicht "irgendwie auszunutzen" war. Kritiker des Reichskommissars wie der deutsche Generalkonsul auf Sansibar, Gustav Michahelles, bezeichneten Wissmanns Herrschaft denn auch als "Militärdiktatur". Schon damals war Wissmann eine äußerst umstrittene Persönlichkeit. Seine zahlreichen Bewunderer, die in ihm "Deutschlands größten Afrikaner" sahen, verfassten wahre Lobeshymnen auf Wissmann. Dem Feldmarschall Helmuth von Moltke beispielsweise machte der "ausgezeichnete Kerl" Freude, weil er "feste da unten" vorging und alle "Schufte" hängen ließ.12 Kolonialoffizier Tom von Prince lobte den Reichskommissar als einen "Mann wie für die Verhältnisse geschaffen, Widerspruch nicht duldend, im Dienst scharf, Unmöglichkeiten verbietend, gute Leistungen reichlich lohnend, schlechte rücksichtslos tadelnd, außer Dienst mit vergnügtem Wort jeden ermunternd, bei keiner Gelegenheit um einen guten Witz verlegen ...".13 Doch nicht gerade gering war die Zahl derer, die keine hohe Meinung von Wissmann hatten. Zu ihnen gehörte Konteradmiral Deinhard, den Wissmann sich durch seine arrogante Art und sein undiplomatisches Auftreten zum Feind gemacht hatte. Dementsprechend vernichtend fiel Deinhards Urteil aus. Er hielt den Reichskommissar für "einen recht mäßig begabten Menschen, der weder als Offizier noch als Organisator noch administrativ hervorragt, nur sich selbst anerkennt, alles hängen will und jeden anderen für einen schlappen Ignoranten ansieht. ... Dabei ist er taktlos, nicht im Stande, seine Instruktionen zu verstehen und vom Größenwahn völlig verblendet".14

Nach einem Jahr heftiger Kämpfe konnte Wissmann endlich im Mai 1890 die vollständige Eroberung der ostafrikanischen Küste nach Berlin melden. Daraufhin wurde der Reichskommissar nach Deutschland beordert, um dort seine Pläne für die weitere Entwicklung der Kolonie vorzustellen. Die Fahrt nach Berlin geriet zum Triumphzug. In jeder Stadt, in der er Station machte, jubelten ihm Tausende von Menschen zu. Wissmann wurde zum Major befördert, mit Orden überhäuft, und der Kaiser erhob ihn in den erblichen Adelstand. Er war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch schon bald erfolgte der jähe Absturz. Knapp ein Jahr später enthob Wilhelm II. Wissmann seiner Stellung. Grund für die Entlassung war der leichtfertige Umgang Wissmanns mit Steuergeldern. Zum einen kostete die Niederschlagung des Aufstands statt 2 Millionen Mark, wie ursprünglich in einem Gutachten von Wissmann veranschlagt, die gewaltige Summe von 9 1/2 Millionen. Zum anderen hatte es Wissmann nicht so genau mit der Buchhaltung seiner Ausgaben genommen. Eine Nachprüfung im April 1891 ergab ein Defizit von immerhin 43.000 Mark für das Rechnungsjahr 1889/90. Freunde von Wissmann machten allein "Intrigen" für seine Entlassung verantwortlich, mussten aber gleichzeitig einräumen, dass er wohl "auch selbst durch sein wenig diplomatisches Verhalten dem Auswärtigen Amt gegenüber seinen Feinden ihre Wühlarbeit" erleichtert habe.15 Damit wurde nichts aus Wissmanns Traum, nach der Übernahme der Verwaltung durch das Reich erster Gouverneur von Deutsch-Ostafrika zu werden.

Trotzdem durfte er im Kolonialdienst bleiben. Von nun an agierte er als Reichskommissar zur Verfügung des neuen Gouverneurs Julius von Soden. Dieser übertrug ihm die Aufgabe, die deutsche Macht an der Westgrenze der Kolonie, die durch großen, zentralafrikanischen Seen gebildet wurde, zu etablieren. Dazu sollte ein Dampfer zu den Seen gebracht werden, für dessen Bau und Transport Wissmann über 300.000 Mark gesammelt hatte. Doch nach der Vernichtung der Zelewski-Expedition 16 , bei der 10 Deutsche und fast 300 Askari umkamen, untersagte Soden vorerst jede weitere Unternehmung ins Landesinnere. Erst am 14. Juli 1892 konnte Wissmann in Richtung Nyassa-See aufbrechen. Seine Begeisterung für diese Aufgabe hielt sich allerdings in Grenzen: "Die einzige Triebfeder zu meiner jetzigen Tätigkeit ist Pflichtgefühl; Lust und Vergnügen an der jetzigen Arbeit habe ich nicht", ließ er seine Mutter wissen.17 Im April 1893 erreichte die Expedition endlich den See. Während das Schiff auf der neu gegründeten Station Langenburg zusammengebaut wurde, bekriegte Wissmann die in der Umgebung lebenden Stämme, um sie zur Anerkennung der deutschen Kolonialherrschaft zu zwingen. Dabei soll er laut dem Historiker Bernhard Gondorf am 7. Juli ein furchtbares Massaker unter den Wawemba angerichtet haben.18 Nach der Fertigstellung des Dampfers verließ er die Kolonie und kehrte im Frühjahr 1894 nach Deutschland zurück.

Sein Aufenthalt in der Heimat sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. 1895 wurde der amtierende Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Friedrich von Schele, abberufen, weil er nach Meinung der Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt zu häufig Krieg geführt hatte. Als neuen Gouverneur schlug Reichskanzler Chlodwig von Hohenlohe Hermann von Wissmann vor. Kaiser Wilhelm II. war von dem Vorschlag alles andere als begeistert, stimmte der Ernennung dieses "bloßen Condottiere" (Söldnerführers]), wie er Wissmann abfällig nannte, aber schließlich doch noch zu.19 Allerdings brachte er es nicht über sich, ihm, wie seinem Vorgänger, auch das Kommando über die Schutztruppe zu übertragen. Ende Juli 1895 traf Wissmann in der Kolonie ein. Aber seine Amtszeit sollte nur von kurzer Dauer sein. Noch nicht einmal ein Jahr später verließ er Deutsch-Ostafrika schon wieder und bat um die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand, der ihm auch gewährt wurde. Der Hauptgrund für Wissmanns Rücktritt war sein schlechter Gesundheitszustand, eine nicht unbedeutende Rolle spielte aber auch, dass er sich nicht mit der Beschneidung seiner Befugnisse durch den Kommandeur der Schutztruppe, Lothar von Trotha, abfinden konnte. Auch wenn Wissmann nur wenige Monate in Deutsch-Ostafrika wirken konnte, war seine Amtszeit verhängnisvoll für die weitere Entwicklung der Kolonie. Die von ihm vorbereitete Einführung einer Hüttensteuer war 1905 mit ein Grund für den Ausbruch des Maji-Maji-Aufstands, dem zwischen 75.000 und 300.000 Afrikaner zum Opfer fielen. Diesen Aufstand sollte Hermann von Wissmann allerdings nicht mehr erleben. Am 15. Juni 1905 starb er bei einem Jagdunfall in Österreich.

Anmerkungen

1 Dagmar Girra/Sylvia Lais: Die Berliner Straßennamen. Kommentiertes Verzeichnis. Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin 2001, S. 331.

2 Sylvia Lais/Hans-Jürgen Mende (Hrsg.): Lexikon der Berliner Straßennamen, Berlin 2004, S. 483.

3 Johannes Fabian: Im Tropenfieber. Wissenschaft und Wahn in der Erforschung Zentralafrikas, München 2001, S. 239.

4 Siehe zum Einsatz der Marine vor Ostafrika ausführlich Thomas Morlang: Ein Schlag ins Wasser. Schon einmal, 1888/89, überwachte Deutschlands Marine im Namen der Freiheit die ostafrikanische Küste, in: DIE ZEIT, 17. Januar 2002, S. 86.

5 Rochus Schmidt: Deutschlands Kolonien. Ihre Gestaltung, Entwicklung und Hilfsquellen, Bd. 1, Berlin 1894, S. 69.

6 Alexander Becker u. a.: Hermann von Wissmann. Deutschlands größter Afrikaner, Berlin 1907 (2. Auf l.), S. 180.

7 Bundesarchiv Berlin (BArch), R 1001, Bd. 735, Bl. 41-50. Instruktionen Bismarcks an Wissmann, 12. 02. 1889.

8 BArch, R 1001/744, Bl. 27f. Bericht Wissmanns vom 01. 01. 1890.

9 Georg Maercker: Unsere Schutztruppe in Ost-Afrika, Berlin 1893, S. 201f.

10 Zit. n. Jutta Bückendorf: „Schwarz-weiß-rot über Ostafrika!“ Deutsche Kolonialpläne und afrikanische Realität, Münster 1997, S. 409.

11 Maercker 1893, S. 154.

12 Becker 1907, S. 261.

13 Tom von Prince: Gegen Araber und Wahehe. Erinnerungen aus meiner ostafrikanischen Leutnantszeit 1890-1895, Berlin 1914 (2. Aufl.), S. 8.

14 Deinhard an Oberkommando Marine, 08. 06. 1889. Zit. n. Fritz Ferdinand Müller: Deutschland ­ Zanzibar ­ Ostafrika. Geschichte einer deutschen Kolonialeroberung 1884-1890, Berlin (Ost) 1959, S. 441, Anm. 54.

15 Werner Steuber: Arzt und Soldat in drei Erdteilen, Berlin 1940, S. 39.

16 Zur Niederlage des Expeditionskorps am 17. August 1891 ausführlich Thomas Morlang: „Die Kerls haben ja noch nicht einmal Gewehre“. Die Vernichtung der Zelewski-Expedition in Deutsch-Ostafrika im August 1891, in: Militärgeschichte 11 (2001), S. 22-28.

17 Becker 1907, S. 397.

18 Bernhard Gondorf: Das deutsche Antisklaverei-Komitee in Koblenz, Koblenz 1991, S. 14.

19 Heinrich Schnee: Als letzter Gouverneur in Deutsch-Ostafrika. Erinnerungen, Heidelberg 1964, S. 13.

Thomas Morlang ist Historiker, spezialisiert auf dem Gebiet Polizei- und Militärgeschichte in den ehemaligen deutschen Kolonien.

Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Thomas Morlang und Joachim Zeller veröffentlicht. Er ist kürzlich erschienen in:

Ulrich van der Heyden / Joachim Zeller (Hg.): "... Macht und Anteil an der Weltherrschaft". Berlin und der deutsche Kolonialismus, UNRAST-Verlag, Münster 2005. ISBN: 3-89771-024-2. www.unrast-verlag.de/unrast,2,219,13.html

"Expeditionstruppe fertig zum Abmarsch",

rechts im Bild Hermann von Wissmann.

(Bild: A. Becker u.a.: Hermann von Wissmann.

Deutschlands größter Afrikaner, Berlin 1914,

5. Aufl.)

Hermann von Wissmann mit seiner Familie in

Bad Lauterberg/ Harz. Der Name des Afrikaners

links im Bild ist unbekannt. (Bild: A. Becker u.a.:

Hermann von Wissmann. Deutschlands größter

Afrikaner, Berlin 1914, 5. Aufl.)

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