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 Rezension
Autor: Hamburger 
Datum:   

Berman, Nina: Impossible Missions? German Economic, Military an
Humanitarian Efforts in Africa. Lincoln: University of Nebraska Press
2004.

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Wolfgang G. Schwanitz, Deutsches Orient-Institut Hamburg

Dieses Buch erhellt das Denken und Fühlen von Deutschen, die auszogen,
um Afrika zu verbessern.
...

Einleitend überschaut Nina Berman den Stand der Literatur zum Thema. Wie
war das mit dem Fortschritt, den Deutsche nach Afrika bringen wollten
und wie ist er beschrieben worden?
...

Stichwort postkoloniale Studien.
...
Während sich britische und französische Akademiker gut mit
Kolonialisierung und Dekolonialisierung befassten, seien Deutsche sehr
bemüht gewesen, den Zweiten Weltkrieg zu begreifen. Das traf für
Westdeutsche zu, indes Ostdeutsche die "antifaschistische Geschichte"
für sich beansprucht haben (während sie die Bundesrepublik als Erben der
Nazi-Ära ansahen) und alles unter dem größeren Rahmen des Kapitalismus
betrachteten. In diesem sei das Interesse am Kolonialismus als Teil des
Imperialismus entstanden. Ostdeutsche Historiker wie Kurt Büttner,
Heinrich Loth und Helmut Stöcker, so bilanziert Nina Berman, hätten früh
differenziertere Analysen über den Kolonialismus vorgelegt.
...

Eine zweite Prämisse Nina Bermans sei herausgegriffen. Sie meint, mehr
Forschung sei geboten, um besser die Beziehungen zwischen Mutterland und Kolonie, Heimat und Ausland, kolonialer Politik und was dann Praxis
wurde, zu verstehen. Dies treffe auch auf die Unterschiede zwischen den
einzelnen Kolonien zu. Dabei müssten gleichwohl die mündliche
Überlieferungsgeschichte über die Kolonialzeit einbezogen wie auch
Archive in Afrika selbst erschlossen werden. An dieser Stelle sei auf
ein herausragendes Beispiel aus der ostdeutschen akademischen Tradition
verwiesen. Der Berliner Gelehrte Peter Sebald, der Ende der 80er Jahre
mit einem bahnbrechenden Werk über das Werden der deutschen
Musterkolonie Togo hervorgetreten war, weilt daselbst jährlich zu
dreimonatigen Studien in Archiven. Was er nun seit 16 Jahren an
historischen Goldadern freigelegt hat, sucht seinesgleichen.
...

Über Unterschiede des deutschen gegenüber anderen europäischen
Kolonialismen formuliert Nina Berman eine These. In der kurzen Periode
des deutschen Kolonialismus zwischen 1871 und 1918 hätten die Deutschen es nicht versucht, die Einheimischen zu "germanisieren". Ihre Ansätze, diese zu "zivilisieren", wollten aus Afrikanern kulturell keine Deutschen machen.
...

Mit der scheinbaren Toleranz ging eine kulturelle Unvergleichbarkeit einher. So wie Deutsche die Einheimischen nicht gezwungen haben, Deutsch zu lernen, so haben sie diese aber auch nicht zu Bürgern ihres Landes gemacht wie dies Briten
und Franzosen erlaubten. Das Besondere der deutschen Politik und des Verhaltens, folgert die Autorin, folgte aus dem Rassismus in Deutschland, der die Gegnerschaft zur Immigration und zur Änderung der entsprechenden Gesetze bedeutete. Das sei noch lange nach der Kolonialzeit der Fall gewesen.

HUMANITIES - SOZIAL- UND KULTURGESCHICHTE
H-SOZ-U-KULT@H-NET.MSU.EDU

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