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 Unsere Besten
Autor: Franz Wissmann 
Datum:   

Unsere Besten

Das Zeitalter des Imperialismus und Kolonialismus,
die deutsche Kolonialgeschichte und die Biographie von Hermann von Wissmann
muss differenziert betrachtet werden.

Als Urenkel ist man stolz auf einen weltberühmten Vorfahren. Deshalb möchte
ich zur Biographie einige Aspekte und Fakten hinzufügen bzw. richtig
stellen.

Man kann Personen nur aus ihrer Zeit heraus beurteilen. Welche Strapazen die
Forschungsreisenden vor 100 bis 200 Jahren auf sich nahmen, um die letzten
weissen Flecken dieser Erde zu erforschen, kann man sich heute nicht mehr
vorstellen.

Nicht jeder der in dieser Zeit in Afrika tätig war, ist automatisch ein
Rassist und Verbrecher gewesen.

Wissmann war nach seinen 2 Afrikadurchquerungen bereits bekannt und berühmt
und wurde deswegen von Bismarck bzw. Kaiser Wilhelm I zum Reichkommissar
berufen. Gerade Bismarck war dem kolonialen Engagement gegenüber sehr lange
sehr zurückhaltend, hat dann aber den verschiedensten Interessensgruppen
nachgegeben und mit Wissmann jemanden ausgewählt, der ?stets mit einer
weissen Weste zurückkam? [Zitat Bismarck].

Dass er den Job als Reichskommissar zur Niederschlagung des sogenannten
Araberaufstands mit dem Auftrag ?Siegen Sie? erfolgreich im Sinne des
Auftraggebers erledigt hat, kann doch niemand ernsthaft als negativ
auslegen.
Bei der Durchsicht all seiner persönlichen Unterlagen stellt man eindeutig
fest, dass er gemessen an der damaligen Zeit alles andere den ein Rassist
war. Er äusserte sich auch kritisch gegenüber so manchem Kollegen und hatte
auch viele Neider.

Was der junge Kaiser Wilhelm II von Bismarck hielt und warum er ihn entließ
ist das Eine. Was er ueber dessen populaeren Reichskommisar dachte, hat
jedenfalls nichts mit den Leistungen und der Person Wissmanns zu tun.

Wissmann errichtete die ersten Tierschutzreservate in Ostafrika; daran
erinnert sich Tansania heute noch positiv. Wissmann gilt als Vater der
ersten internationalen Tierschutzkonferenz in 1900 in London, an der er auch
teilnahm. Wenn man internationale Ezyklopedien durchforstet, findet man
Wissmann als Gründer von Luluaburg, heute Kananga und Provinzhauptstadt im
Süden des Kongo mit über 500.000 Einwohnern, mit dem knappen Kommentar
?german explorer?. Auch die Erforschung des Kassai, einem grossen weissen
Fleck in der Mitte Afrikas, kann nicht dadurch verunglimpft werden, dass der
Auftraggeber, der belgische König Leopold territoriale Hintergedanken hatte.

Die vielen Denkmäler und auch das in Hamburg sind eigentlich der beste
Beweis für die Integrität des Hermann von Wissmann. Die koloniale Bewegung
hat sich bewusst Wissmann herausgepickt, eine Person die berühmt und
sympathisch war und sich nichts zu Schulden kommen lassen hat und hat diesen
hochstilisiert um die eigenen Interessen mit der richtigen PR
voranzutreiben. Dies geschah alles nach seinem Tod und kann ihm nicht
angelastet werden. Das tansanische Bautenministerium hat sich im Uebrigen
nach dem Denkmalsturz 1968 in Hamburg fuer die Wiederaufstellung in
Daressalam interessiert.

Generell finde ich das Hamburger Projekt bescheiden. Die Aufarbeitung der
deutschen kolonialen Vergangenheit war sicher längst überfällig. Eine
Biographie so zu verändern ? wenn auch ?nur? durch Verkürzung ? dass diese
in die Gesamttendenz passt, sagt schon alles ueber die Seriositaet der
Ausstellungsmacher aus. Die Wissmann-Debatte beschränkt sich fast
ausschliesslich auf die knapp 2 Jahre als Befehlshaber der Truppen zur
Bekämpfung des Araberaufstand. Wissmann war mehr als 20 Jahre in und fuer
Afrika taetig.

Auch fehlt mir bisher der Blick über den Tellerrand und damit meine ich
nicht die Strassenbenennung in Hannover und München. [und zig anderen
deutschen Städten]. Wie geht z.B. England und Amerika mit ihren berühmten
Forschungsreisenden Livingstone, Stanley und Cameron um ? Letzterer war der
erste Weisse, der Zentralafrika von Ost nach West durchquerte.

Sollte am Ende dieses Projektes die Statue dann doch gestürzt werden, dann
muessen konsequenter Weise auch alle Bismarck- und Wilhelm- Denkmaeler und
Strassen geschliffen. Denn eines vergessen hier wohl Viele. Wissmann war der
Kommandant. Die Auftraggeber also Kriegsherren waren Reichkanzler Bismarck
bzw. Kaiser Wilhelm.

Bei all dem bisher gelesenen könnte man leicht zu dem Schluss kommen, dass
es besser ist, nicht durch aussergewöhnliche Leistungen aufzufallen oder gar
berühmt zu werden. Aber keine Angst. Die Meisten von uns werden nicht in die
?Verlegenheit? kommen, dass man 100 Jahre nach unserem Tod [oeffentlich]
ueber unser Lebenswerk diskutiert.

Mit freundlichen Grüssen aus
Weissenbach / Steiermark / Österreich,
Rosenheim und Berlin

Franz Wissmann-A.-K.

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