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 Wißmannstraße in Hamburg
Autor: Bokelmann, Klaus 
Datum:   

Aus langjähriger kommunlapolitischer Tätigkeit weiß ich um die Schwierigkeiten einer solchen Prozedur - dennoch: Müsste nicht nach einem etwaigen zweiten und dann sozusagen offiziellen Sturz des Denkmals auch eine Umbenennung der Wißmannstraße in Hamburg-Wandsbek/Jenfeld erfolgen?

 
 Straßenumbenennungen
Autor: aktuell 
Datum:   

In Jenfeld gibt es viele Straßennamen, die auf Kolonialisten hinweisen, aber nicht nur dort, sondern im ganzen Stadtgebiet: Kolonialoffiziere, Überseekaufmänner u.a. Namen.
Fangen wir doch mit der Wissmannstraße an!
Umbennen?
Oder ein zusätzliches Schild anbringen?

 
 Re:"Wißmannstraße(n)" Umbennungen
Autor: Jens Feld 
Datum:   

Ja!, so haben die ("UR")-Erben die Möglichkeit die Blau-Weissen Namensschilder für ihre Kellerbar oder auch (der besondere Tipp: als "Grabsteininlett"), zu erwerben.. Ja ja das ist Bitter! Aber die Geschichte ist bitterer.. Kein falsches Pathos:
Die eingespielten Mittel werden dann für andere Schilder zur ethisch aufrichtigen Orientierung der nächsten Generationen installiert..
Ein gesundes Denkbild!

 
 Re:"Wißmannstraße(n)" Umbennungen
Autor: Uwe Niederdraeing 
Datum:   

Ja, es lebe die Gehirnwaesche!

 
 Gehirnwäsche?
Autor: Johanna 
Datum:   

1) Na, dann sind wohl auch die Menschen in Daressalam gehirngewaschen, weil die nach der englischen Herrschaft die 'Wissmannstraße' nicht wieder so benannt haben?

2) Gehirnwäsche ist die ganze Kolonialpropaganda gewesen.
Eine Handvoll Kaufmänner, Militärs, Abenteurer und Safariromantiker haben ein Verlustgeschäft von schätzungsweise insgesamt 50 Goldmilliarden verursacht - bezahlt hat der deutsche Steuerzahler. Dass es den Kolo-Lobbyisten, die keine Mehrheit in der Regierung und Öffentlichkeit besaßen, trotzdem gelungen ist, ihren Willen durchzusetzen, verdanken sie Methoden, die einer Gehirnwäsche gleichkommen. S. u.a. die bezeichnenden Reden des Hamburger Kaufmannes und Reichstagsabgeordneten Adolph Woermann im Reichstag.

Zum Beispiel:
Die Missionare hatten die Hamburger Schnapsexporteure immer wieder angemahnt, diese benutzten Branntwein als Mittel, die Afrikaner in Abhängigkeit von den Weißen zu bringen. "Die Besitzer dieses Feuerwassers benutzen das als Lockmittel, sie dazu zu bringen, für sie zu arbeiten, sich an sie zu verkaufen und in jeder Weise sich von ihnen ausbeuten zu lassen." (August Bebel im Reichstag 14. Mai 1889)
Zu diesem Thema Woermann:
"Ich bin an sich der Meinung, dass der Verkauf von Spirituosen nicht günstig auf die Neger wirkt... Wollen wir aber heute aus Philantropie für die Neger, aus reiner Liebe zu den Negern den Schnapshandel nach Afrika verbieten, so würden wir einen wichtigen Zweig des deutschen Exporthandels bedeutend schädigen, und wenn wir diese Frage in Erwägung ziehen, so ist doch zu berücksichtigen, sollen wir aus Philantropie für die Neger, die doch noch nicht so lange unsere deutschen Brüder sind, einen großen Geschäftszweig gänzlich unterbinden? Das würde ich für sehr verkehrt halten. ... Im übrigen glaube ich nicht, dass den Negern durch den Schnaps ein sehr großer Schaden zugefügt wird. Ich meine, dass es da, wo man Zivilisation schaffen will, hier und da eines scharfen Reizmittels bedarf, und dass scharfe Reizmittel der Zivilisation wenig schaden." (A. Woermann im Reichstag 4. Februar 1885)
in: Heiko Möhle: Branntwein, Bibeln und Bananen

Ach ja, in Hamburg gibt es einen 'Woermannstieg' und einen 'Woermannsweg'...

 
 Re: Wißmannstraße in Hamburg
Autor: Uwe Niederdräing 
Datum:   

1) Wer sich mal mit englischer Greuelpropaganda früher und heute auseinandergesetzt hat, der weiß, daß die Antwort auf diese "rhetorische" Frage nur "Ja" lauten kann.

Historisches Beispiel: Blaubuch & Buch über die Deutschen Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg.
Aktuelles Beispiel aus dem "Guardian": http://www.guardian.co.uk/Columnists/Column/0,5673,556024,00.html

2) Na Gott sei Dank, dann ist ausnahmsweise mal nicht das ganze deutsche Volk schuld. Das hat man ja fast nicht mehr geglaubt, einmal zu hören.

 
 Wißmannstraße in Daressalam
Autor: Johanna 
Datum:   

an Uwe Niederdräing

1) Wir können davon ausgehen, dass die Menschen in Daressalam durchaus in der Lage sind, selbst zu denken, auch wenn gerade Sie nicht daran glauben (aber diese Haltung ist ja bekannt). Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, dass die Leute die Schnauze voll hatten von den Wissmännern aller Nationen? Und dass sie ihre Straßen nach Widerstandkämpfern gegen den Kolonialismus benannt haben?

 
 Straßenumbenennungsaktionen in anderen Städten
Autor: Webmaster 
Datum:   

Straßenumbenennungen in Hannover
Initiative der Uni Hannover
http://geschichte.uni-hannover.de/~rost/strassen_gedaechtnis.html

Straßenumbenennungen in München
Initiative der Grünen - Rosa Liste
http://www.sigi-benker.de/texte/eine_welt/kolonialswa.html

 
 Ethisch aufrichtige Orientierung der nächsten Generationen?
Autor: straßenumbenenner 
Datum:   

Was habt Ihr für ein Problem?
Straßen werden ständig umbenannt, so jetzt auch aktuell in Hamburg.

Aus dem 'Lohseplatz' auf dem Gebiet der Hafencity soll 'China Garden' werden. Ob sich die Stadtväter dadurch mehr Einnahmen aus dem Geschäft mit China versprechen? Das Problem ist nur, dass der 'Lohseplatz' der Ort war, von wo aus Juden und Jüdinnen gen Osten in die Konzentrationslager deportiert wurden. Dort stand nämlich vormals der Hannöversche Bahnhof, der zu dieser Zeit eigentlich nur noch Frachtbahnhof war. Vom heutigen 'Platz der Jüdischen Deportierten' im Grindelviertel fuhren LKW-Transporte mit menschlicher Fracht zum Lohseplatz. Gegen Ende des Krieges mussten die Gruppen der Deportierten zu Fuß durch die Stadt gehen, weil keine LKWs mehr zur Verfügung standen.
Ich finde, dieser Platz hat eine Neugestaltung verdient, aber nicht zum geschmackslosen 'China Garden', sondern zur Erinnerung an diese erbärmliche Epoche der Stadtgeschichte.

Im Zuge der New Economy soll auch ein Platz in Ottensen zum 'Toulouse-Platz' umbenannt werden, wenn es nach dem Willen der Regierenden geht. Man feiert ja gerne den Airbus und die Enteignungen der Bauern im Alten Land. OttensenerInnen sehen das aber nicht so gerne. Ein guter Vorschlag ist 'Oelsner-Platz' nach dem Altonaer Reformarchitekten Gustav Oelsner.

 
 Re: Wißmannstraße in Daressalam
Autor: hamna schida 
Datum:   

Dass die fruehere Wissmannstr. in Daressalam heute nicht mehr so heisst, ist verstaendlich (auch wenn der Ruf der deutschen Kolonialzeit in Tansania laengst nicht so uebel ist, wie in diesem Forum einige, die anscheinend noch nie ihren Fuss auf afrikanischen Boden gesetzt haben, zu glauben scheinen).

Als Englaender haette ich die deutschen Namen auch entfernt (und den Deutschen nach WK I auch verboten, den Askaris ihre ihnen zustehende Rente auszuzahlen). Als Tansanier haette ich auch die englischen Namen entfernt und durch Widerstandskaempfer gegen die Kolonialzeit ersetzt. Warum allerdings eine der schoensten Strassen Daressalams nach einem der uebelsten afrikanischen Diktatoren, Sekou Toure, benannt sein muss, ist schwer verstaendlich.

Das Terrorregime von Sekou Toure hat vermutlich in einem Monat in Conakry mehr vermeintliche Dissidenten, Angehoerige anderer Staemme oder Widersacher an der einzigen Bruecke der Stadt aufknuepfen lassen als zuvor in 10 Jahren Sklavenhändler und Rebellen von Herrmann v. Wissmanns Truppe aufgehaengt wurden.

Wer sich fuer die Umbenennung der Wissmannstr. in HH einsetzt, sollte gleiches Anliegen auch mit dem Toure Drive in Daressalam verfolgen !! Oder gibt es etwa eine Toure Strasse irgendwo in Deutschland? Vielleicht im Studentenviertel in Hamburg seit '68?

 
 Re: Wißmannstraße in Daressalam
Autor: Uwe Niederdraeing 
Datum:   

Da haben sie wahrscheinlich noch nicht mitgekriegt, dass die Deutschen das eine oder andere Terror-Regime in Afrika im Grunde gar nicht interessiert, sondern nur die narzisstische Selbstbetrachtung. Was haben wir denn verbrochen? Die angeblich so bedauerten udn beweinten Opfer spielen nur die Rolle eines Schaupuppentheaters, eine Staffage, wie in den Filmen der sechziger Jahre. Afrikanische Belange sind nur solange interessant, wie sie Opfr "unserere" Boesartigkeit sind, genauso wie deutsche BeBelange nur dann interessieren, wenn sie mit tatsaechlichen oder angeblcihen verbrechen zu tun haben. Nein, on dieser Seite ist keine Hilfe zu erwarten fuer den gebeutelten Kontinent. Statt dessenberuhigt man das eigene Gewissen und spendet oder leistet Entwicklungshilfe, mit drr sich dann der naechste harvard-Absolvent an die Macht boxen kann um alles, was er im tollen westen gelernt hat, gegen sein Volk einzusetzen. Spendengelder verpuffen in der nach Schiesspulver riechenden Luft. Wann werden endlich die Oelleitungen aus Nigeria abgedreht, und wann reisst der Strom der Blutdiamanten ab? Wer annuliert die irrsinnigen Landesgrenzen eines Staates wie Ruanda. Sicher nicht die internationale Plutokratie. Und sicher nicht die Besserwisser aber nicht Bessermacher in der BRD.

 
 Re: Wißmannstraße in Hamburg
Autor: Jörg Nekü 
Datum:   

Ja, da haben Sie recht. Vielleicht wäre es nur konsequent auch die "Hanse"-Stadt Hamburg umzubenennen. Das hätte auch eine ganz praktische Folge. So würde unsere kranke Wirtschaft mächtig angekurbelt. Denken Sie nur an unzählige Atlanten und Karten, die neu gedruckt und verkauft werden können.

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